Interview mit Danijel Radivojac

Danijel, Sie sind frischgebackener Absolvent des Berufskollegs mit Übungsfirma und werden nächstes Schuljahr das Berufskolleg II mit dem Ziel der Fachhochschulreife besuchen. Welche Hürden haben Sie bis jetzt schon genommen?

 

Danijel: Nach meinem Hauptschulabschluss in Eglosheim hatte ich mich nicht auf eine Lehrstelle radovicbeworben. Mir ging es wie vielen meiner Freunde, die mit 14 oder 15 Jahren keine Ahnung haben, wo es lang gehen soll. Als ich dann Infos über die Schule bekam, begann ich 2009 mit der BFBH und erwarb mir ein Jahr lang kaufmännisches Vorwissen. Anschließend, von 2010 bis 2013, machte ich eine Ausbildung als Kaufmann im Einzelhandel bei Media Markt in Ludwigsburg und ging hier in der EBS in die Berufsschule

 

Was war dann für Sie der Auslöser, noch weiter zu machen?


Danijel: Als ich die Ausbildung abgeschlossen hatte, bot mir mein damaliger Chef eine Stelle an. Als er mir sagte, wie viel ich als Einzelhandelskaufmann verdienen würde, wurde mir schlagartig klar, dass ich so nicht leben wollte. Bei dieser Vorstellung legte sich bei mir sozusagen der Schalter um. Nun wusste ich, da ist noch viel Luft nach oben und ich will mehr aus meinem Leben machen.

 

Wie sah das konkret aus?


Danijel: Zugleich mit der dreijährigen abgeschlossenen Berufsausbildung hatte ich die Mittlere Reife erworben, da mein Schnitt besser als 3,0 war. So hatte ich zwar die formale Zugangsberechtigung zur weiteren schulischen Ausbildung, aber mir fehlte ja das Wissen. Also entschied ich mich, in einem Jahr - das war das Schuljahr 2013/14 - auf der Kaufmännischen Vollzeitschule in Stuttgart die mittlere Reife zu machen. Danach wusste ich zwar endgültig, dass das Kaufmännische für mich das Richtige war, aber bis ich mit dem Berufskolleg anfing, jobbte ich noch fast ein Jahr herum.

 

Stichwort „jobben“- war das für Sie auch während der Schulzeit ein Thema?

 

Danijel: Ja, seit drei Jahren jobbe ich immer am Wochenende in der Gastronomie, in einem italienischen Restaurant. Das bringt nicht nur gutes Geld, sondern macht viel Spaß im Team und bringt Erfahrung im Umgang mit Menschen.

 

Wie haben Sie es geschafft, im letzten Schuljahr Job und Berufskolleg 1 unter einen Hut zu bringen und sogar mit einem Preis abzuschließen?

 

Danijel: Eigentlich ist das ganz einfach, wenn man ein Ziel vor Augen hat und weiß, warum man was tut. Außerdem habe ich mir einen Zeitplan gemacht, so dass ich neben Schule und Job auch noch etwas Freizeit hatte. Natürlich habe ich auch den Vorteil, dass ich zuhause wohnen kann und meine Eltern hinter meiner Entscheidung stehen. Aber trotzdem will ich noch einen wichtigen Tipp geben: Leute, setzt Euch in die erste Reihe, da kriegt Ihr allein schon mal die Hälfte mit und spart echt viel Lernzeit zuhause.


Danijel, Sie haben ja schon einige Jahre Erich-Bracher-Schule hinter sich. Könnte man sagen: einmal Erich-Bracher-Schule, immer Erich-Bracher-Schule?

 

Danijel: (lacht) Ja, aber nach dem nächsten Schuljahr ist dann Schluss. Ich muss sagen, ich habe mich hier in jeder Schulart richtig wohlgefühlt und habe immer das Gefühl gehabt, dass ich wahrgenommen und gefördert werde. Außerdem hat die EBS einen sehr guten Ruf, das kommt bei Bewerbungen gut an.

 

Haben Sie schon ein weiteres Ziel im Blick, wenn Sie nach dem BK II die Fachhochschulreife erreicht haben?


Danijel: Zwischenzeitlich ist mir klar geworden, dass ich Verantwortung übernehmen will, mit Menschen zusammenarbeiten möchte und das möglichst in der Konsumgüterbranche. Ich kann mir vorstellen, dass für mich der richtige Weg dorthin ein Duales Studium ist und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.


Das Interview mit Danijel Radivojac (Jahrgang 1994) führte Frau Schober-Penz am 20.Juli 2016.