Interview Frau Gerger

Frau Gerger, warum wollten Sie Ihr Praktikum gerade hier an der EBS absolvieren? 

Nach dem Abitur am Gymnasium in Freiberg am Neckar machte ich eine Ausbildung als Finanzassistentin bei der Kreissparkasse Ludwigsburg und kam in die kaufmännische Berufsschule hier in Pattonville. Ich hatte einen guten Eindruck von der Schule; die junge Schule mit einem engagierten Lehrerkollegium erschien mir übersichtlich und wenig anonym. Auch als Praktikantin fühlte ich mich wahrgenommen und sowohl beim Hospitieren als auch beim Unterrichten gut angeleitet und rundum betreut.

 

Warum möchten Sie Lehrerin werden?                                                   
Gerger

Während meiner Ausbildung wurde mir klar, dass mich Betriebswirtschaft sehr interessiert. Zugleich merkte ich auch, dass mir ein reiner Bürojob nicht so sehr liegt und dass ich in meinem Arbeitsleben gerne mehr mit Menschen zu tun haben möchte als nur Kunden- und Beratungsgespräche zu führen. Ich merkte, dass es mir Freude macht etwas zu vermitteln und dass mir dabei der Umgang mit jungen Leuten gefällt. Um dies alles verbinden zu können, entschloss ich mich zum Studium der Wirtschaftspädagogik mit dem Wahlfach Wirtschaftsgeographie an der Universität Mannheim. Während des Bachelorstudiums war ich in einer Unicef-Hochschulgruppe aktiv und gab in Brennpunktschulen Kindern mit mangelhaften Deutschkenntnissen Nachhilfe. Dabei wurde mir auch deutlich, wieviel man durch das „Geben“ für sich mitnehmen kann, wie motivierend es ist, wenn etwas zurückkommt, beispielsweise wenn man die Freude desjenigen sieht, der etwas verstanden hat.

 

Welche Erfahrungen brachten Ihnen die drei Schulpraktika?

Am Anfang war ich skeptisch, weil es plötzlich doch eine neue Erfahrung ist, in der Lehrerrolle vor einer Klasse zu stehen. Ich hatte auch Angst vor Fragen, auf die ich vielleicht keine Antwort weiß. Aber ich kam immer mehr zu der Überzeugung, dass man da reinwächst. Als ich mir dann auch klar machte, dass nicht alles perfekt sein kann und muss, machte mir das Unterrichten Spaß. Ich halte das Schulpraktikum für absolut notwendig und gut, um zu sehen, ob man wirklich dafür gemacht ist, vor der Klasse zu stehen.

 

Wie erlebten Sie als Praktikantin die EBS?

Hier an der Schule gefielen mir besonders das aufgeschlossene Kollegium und die vielseitigen Unterrichtsmethoden, die ich gesehen habe. Ich konnte eigene Ansätze ausprobieren, die mit mir im Vorfeld oder im Nachgang besprochen wurden. Das Bewusstsein, wenn was schiefgeht, werde ich nicht allein gelassen, gab mir das Gefühl der Sicherheit - auch bei bislang unbekannten Themen.

 

Was empfehlen Sie Abiturientinnen und Abiturienten, die sich mit dem Gedanken befassen, vielleicht Lehrer zu werden?

- Zuerst muss man sich im Klaren darüber sein, dass der Job kein Spaziergang ist.

- Wenn man sich nach dem Abitur sicher ist, dass man studieren möchte, aber nicht weiß was, dann sollte man nicht drauf losstudieren und dann womöglich abbrechen. Die Zeit ist dann wirklich verloren. Ich kann nur jedem empfehlen, erst einmal eine zwei- oder zweieinhalbjährige Ausbildung zu machen. Diese Zeit ist in jeder Hinsicht ein echter Zugewinn und man sieht dann klarer, in welche Richtung das Studium führen soll.

 

Zum Abschluss noch drei Satzsplitter zum Vervollständigen.

Von meinem Referendariat erhoffe ich, dass …

… ich eine gute Unterstützung durch die Fachleiter am Seminar und die Mentoren an der Schule bekomme, von dem Kollegium akzeptiert werde und sich mein Weg zum Lehrerberuf festigt.

Eine Lehrerin/ein Lehrer ist für mich gut, wenn …

… sie oder er aufgeschlossen gegenüber den Schülern ist und zugleich eine gewisse Distanz wahren kann und die Freude am Lehrerdasein nicht verliert.

Die besonderen Herausforderungen als Lehrerin in einer Beruflichen Schule sehe ich darin …

… zum einen dem breiten Spektrum an Ausbildungsberufen und Schularten und zum anderen den unterschiedlichen Leistungsmöglichkeiten der Schüler innerhalb einer Klasse gerecht zu werden, also bei gleicher Unterrichtszeit weder zu unterfordern noch zu überfordern.